Rappen statt regieren
Da staunten die Berliner Abgeordneten aber nicht schlecht: Wo sonst trockene Reden geschwungen und abstrakte Diskussionen geführt werden, fliegen an diesem Samstag Hackisacks und HipHop-Beats durch die Luft. Für das sechste Berliner Jugendforum wurde das Abgeordnetenhaus von fast tausend jungen Berlinern erobert.
Laute Musik tönt aus den Boxen, zwei Jungs springen in die Mitte des Saales. Der eine, sportlich angezogen, Anfang 20 wirft einen Hackisack hoch, der Andere fängt ihn im Sprung auf. Sie beginnen sich zu verrenken, man kann den schnellen Bewegungen der Füße kaum folgen. Obwohl die Teilnehmer im Plenarsaal des Abgeordetenhauses sitzen, fühlen sie sich wie auf den Straßen Berlins.
Was Berliner Jugendliche alles können...
Beinahe tausend Jugendliche sind heute zum jugendFORUM zusammengekommen um zu diskutieren, zu präsentieren und zu schauen. Das jugendFORUM will für Politik begeistern, in zehn verschiedenen Foren kann man mit Abgeordneten diskutieren. Es will aber auch zeigen was Berliner Jugendliche können, wofür sie sich begeistern und ihre Freizeit aufopfern. Von morgens bis abends treten über zwanzig Gruppen aus Berlin im Plenarsaal und im Foyer auf. Junge Sänger, Künstler und Schauspieler sind dabei, das Spektrum ist breit.
Begeisterungsrufe im Abgeordnetenhaus
Der Hackisack fliegt ein letztes Mal in die Höhe und landet auf einem nach oben gestrecktem Fuß. Der Saal ist begeistert, alle fangen an laut zu klatschen. Selbst einige Begeisterungsrufe tönen durch die Reihen. Im Plenarsaal dürfte das etwas besonderes sein: Meistens sind die Sitzungen wohl langweiliger. Selbst Karin-Seidel-Kamitzki, die Vizepräsidentin des Abgeordnetenhaus kuckt freudig überrascht. Eine tolle Performence wird gewürdigt. Mit Applaus und Begeisterung sparen die Berliner Jugendlichen nicht.
Spenden für Sri Lanka
Nach der Eröffnung strömen die Jugendlichen aus dem Saal. Im Foyer wartet schon der nächste Programmpunkt. Auf der Treppe steht ein Mädchen, sie ist ganz in Weiß gekleidet. Neben ihr ein Junge, er trägt eine Cappi und ein Ringelshirt. Sie gehen beinah unter im Gedrängel, bis sie beginnen zu singen. Obwohl die Technik nicht ganz sauber läuft sind alle berührt. Die Hymne zur "Hilfsaktion Flutopfer" ist voller Gefühl. Doch die Künstler treten nicht nur zum Vergnügen auf, sondern verfolgen auch ein gemeinnütziges Ziel. Nach ihrer Darbietung rufen sie zum Spenden für Sri Lanka auf.
Orientalische Stimmung im Foyer
"Die Bauchtänzerin war schön" erzählt mir die neunjährige Kezibane aus Wedding. "Und hat gut getanzt" fügt ihre Freundin Özge hinzu. Gerade ist eine srilankinische Bauchtänzerin aufgetreten, die auch die Kleinen begeistert. Im Anschluss zeigt die Selbstverteidigungsgruppe "Jackie" was sie kann. Die elfjährige Linda und ihre drei Freundinnen wissen sich zu verteidigen. Im gespielten Ernstfall brüllen sie ihrem Angreifer ein lautes "Stopp!" entgegen. Hilft das nichts, wehren sie sich mit Händen und Füßen. Ganz schön mutig für ihr Alter. Linda betont am Ende wie viel ihr dieser Kurs bedeutet: "Wenn ein Mann auf dich zukommt, ist es gerade für ein Mädchen wichtig sich verteidigen zu können."
Für jeden etwas!
Im Laufe des Tages waren noch viele beeindruckende Sachen zu sehen. Von einer Feuershow, über das Theaterstück "Wilhelm Tell- Solidarität, Widerstand und Freiheit" bis hin zu der Hip-Hop Performance "Chaos Crew" ist für jeden Besucher des jugendFORUMS etwas dabei. So endet der Tag mit einer Menge freudiger, zufriedener Gesichter. Wenn am Montag im Abgeordnetenhaus der gewohnte politische Alltag wieder Einzug hält, wird sicherlich der ein oder andere Abgeordnete an diesen außergewöhnlichen Samstag zurückdenken. Und vielleicht springt ja auch ein Funken der jugendlichen Dynamik auf den Senat über.
Emilia von Senger
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